Hauptsmoorwald

uHDer Hauptsmoorwald ist ein Naherholungsgebiet östlich der Stadt Bamberg, dessen Baumbestand, im Gegensatz zum Bruderwald, vornehmlich aus Kiefern besteht.

Um 1915 reichte der Hauptsmoorwald noch bis zum Bamberger Bahnhof. Doch Besiedlung und Fortschritt haben auch hier ihren Tribut gefordert.  Der Flächen – und Arten Verlust für Flora und Fauna ist seit damals enorm. Dennoch beherbergt der Hauptsmoorwald noch heute zahlreiche gefährdete Arten, wie etwa den Dunklen Wiesenknopf-Ameisenbläuling, die Adlerfarneule oder die Sandgrasnelke.

Auch bietet der Hauptsmoorwald  heutzutage  viele Möglichkeiten zur Erholung für den Menschen. Diese reichen von Spazierwegen entlang des Schützenhauses Kunigundenruh, bis hin zum Trimm-Dich-Pfad und sogar Pferdefreunde finden hier ausgedehnte Reitwege. Diese ließ  König Otto von Griechenland, welcher nach seiner Thronentsagung Mitte des 19. Jahrhunderts in Bamberg residierte, anlegen. So ist es nicht verwunderlich, dass auch der Reitverein Bamberg sich am Rande des Hauptsmoorwaldes, befindet.

Doch der Hauptsmoorwald bietet noch viel mehr historische Zeugnisse der Bamberger Stadtgeschichte. Auf dem Weg zum Schützenhaus Kunigundenruh trifft man beispielsweise auf zwei Bildstöcke, sogenannte Martern, welche 1601 und 1676 dort errichtet wurden. Der Sage nach soll das Kaiserpaar Heinrich und Kunigunde, während einer Jagd im Hauptsmoorwald, dort Rast gemacht haben.

Neben den Martern befindet sich hier auch der Kunigindenruhstein, eine aus einem Sandquader gefertigte Sitzbank. Ruhesteine erfüllten früher eine wichtige Funktion, denn auf dem Weg nach Bamberg mussten viele Güter auf dem Rücken in sogenannten Huckelkörben transportiert werden. Beim  Rasten konnte man seinen Korb auf dem Ruhestein erhöht absetzen und danach leichter wieder aufhuckeln.

Eine weitere Marter steht an der Stelle, an welcher sich früher die fürstbischöflichen Jagdgäste trafen. Diese sogenannte Oberjägermarter ließ Fürstbischof Friedrich von Seinsheim 1770 im Angedenken an seinen kurz zuvor verstorbenen Oberjägermeister errichten.

Unweit von dieser  Marter befindet sich der  Drei „Becken“ (Bäcker) Stein. Hierbei handelt es sich um einen sogenannter Sühnestein, welcher ein Zeugnis der mittelalterlichen Gerichtsbarkeit im Hochstift darstellt. So war es durchaus üblich, dass Opferfamilien von den Verwandten der Täter Gedenksteine einforderten. Dieser Stein soll an drei dort überfallene und getötete Bäcker aus Melkendorf erinnern.

Nach dem zweiten Weltkrieg gehörten große Teile des Waldes zum Hoheitsgebiet der US Army, welche dort unter anderem ein Übungsgelände mit Häuserkampfbahn unterhielt. Erst seit dem Abzug der Amerikaner aus der Domstadt im Jahr 2014 gehört dieses Gelände wieder zur Stadt Bamberg. Dennoch sind leider nicht alle Teile des ehemaligen Armeegeländes wieder für die Öffentlichkeit zugänglich.

Kunigundenruh 1
Litzendorf 96123 BY DE
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